WINTERGEDICHT

Der Schnee deckt Fußspuren zu,
Schatten bleiben in der Dunkelheit verborgen.
Die Zeit schleicht um kalte Häuser,
grauweiße Wiesen und stumme Wälder,
bleibt kurz stehen und hält Sekunden fest.
Kristalle stehen in der Luft,
starre Punkte im Nebel.
Stumme Klagen der Erde unter geborstenem Eis,
Spuren von Wintermoos. Vertrocknetes, grünes Blut.

Ein klarer Himmel mit tausend Sternen wie
glitzerndes Spielzeug, weit genug entfernt,
um unerreichbar zu bleiben.

Irgendwo in der Weite die Mondsichel,
ein greller Bogen auf schwarzem Grund.
Wenn ein Wind weht,
schaukelt sie in gemächlicher Trunkenheit.

Alles bleibt stehen.
Kein Takt. Wie in einer Glaskugel.
Den ganzen Winter.


©2022 by Jörg Reinhardt, Berlin

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