VIELLEICHT  IST  ES  DIE  ZEIT

Heraus aus der Stadt,
aus der Ratlosigkeit, mit der sie den Sommer verabschiedet,
der Unentschlossenheit, ob sie die kalten Nächte
als vorübergehende Schwäche empfinden soll.
Hinaus aufs Land,
wo das Grau die Felder mit einer Botschaft versieht:
Beginn der Winterruhe.
Hier draußen der Betriebsamkeit des Sommers entsagen,
um die Genügsamkeit zu entdecken.

Vielleicht ist es die Zeit,
zwischen zwei Stürmen durchzuatmen,
dem kalten Wind erlauben wehzutun
und darauf hinzuweisen, dass das
Gesicht noch Kanten hat.
Vielleicht ist es die Zeit
für einen Dialog mit Gefühlen,
die von den Gauklerfesten
des Sommers verdrängt wurden und nun,
von dunklen Wolken aufgeweckt,
ihr Recht auf Beachtung einfordern.
Vielleicht ist es die Zeit
für Erinnerungen, die im Licht
so belanglos waren, aber nun
in der endlos grauen Dämmerung
so dringlich werden.
Weil sie eine Bestimmung haben
und ihren Hüter darauf aufmerksam machen,
dass auch Erinnerungen sterben.
Vielleicht ist es die Zeit
für eine Unterbrechung,
eine Zeit ohne Worte, eine Pause ohne Plan.
Vielleicht ist es die Zeit

©2020 by Jörg Reinhardt, Berlin

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